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Wenn die Corona-Angst zum Vorwand wird

Aktuell beobachte ich in meiner Tätigkeit als Berater,Trainer und Coach, wie Mitarbeitende im betrieblichen Kontext die Corona-Angst nutzen, um einen Vorwand zu haben, etwas nicht tun zu müssen, was sie nicht tun wollen. Ich möchte dies an einem konkreten Beispiel deutlich machen:

Für 7 Leitungskräfte war eine Schulungsmaßnahme mit Präsenzpflicht für alle Mitarbeitenden geplant. Die Mitarbeitenden haben tätigkeitsbedingt täglich Kontakt zu Menschen aus dem öffentlichen Raum.

Das Unternehmen nimmt die Corona Situation sehr ernst undhat deshalb einen Besprechungscontainer aufstellen lassen und mit einem hochwertigen medizinischen Virenkiller (Luftreiniger) ausgestattet. Es besteht Maskenpflicht, die Mindestabstände sind gewährleistet, es wird regelmäßig gelüftet und auf freiwilliger Basis wird jeden Morgen ein Corona-Schnelltest durchgeführt.

Zwei Tage vor der länger geplanten Veranstaltung kommt, angestoßen durch eine teilnehmende Person, eine Diskussion auf, ob das denn„alles“ nicht zu gefährlich sei, sie würde nicht teilnehmen wollen und absagen. Den Impuls aufnehmend, teilt eine weitere Teilnehmerin mit, dass sie als Leitungskraft meint ein schlechtes Vorbild zu sein, wenn sie an derVeranstaltung teilnehme und sie habe auch Angst, ihren selbständig arbeitendenEhemann zu infizieren. Das Ergebnis dieser Entwicklung war, dass von den 7 angemeldeten Teilnehmenden noch 3 an der Veranstaltung teilnehmen wollten, was zur Konsequenz hatte, dass der Arbeitgeber die Veranstaltung abgesagt hat.

Ich halte eine solche Entwicklung für problematisch. DerArbeitgeber hatte alles getan, um das Ansteckungsrisiko gegen „null“ zureduzieren, die Corona-Inzidenzzahlen waren rückläufig und im Tagesgeschäftwaren die Teilnehmenden jobbedingt einem deutlich höheren Infektionsrisikoausgesetzt als während der Schulung. Ebenso deren Mitarbeitende.

  1. Eidieser Situation: Es gab keine neuen Entwicklungen und Argumente, die eine Absage hätten rechtfertigten können undauch keine neuen akuten Bedrohungen. Es wurden offensichtlich Gründe, d.h.Vorwände gesucht, um nicht an der Veranstaltung teilnehmen zu müssen. Ausmeiner Sicht ist es tragisch, dass die Beteiligten gerade die Corona-Angst als Vorwand verwendet haben. Warum?
  2. Eine zweite Erkenntnis aus dieser Situation: Die Mitarbeitenden im Unternehmen bekommen anhand dieser Vorbildwahrnehmung ihrer Führungskräfte (abzusagen) selbst eine Vorwandargumentation für die Zukunft, Dinge, die sie nicht tun wollen, zu begründen. Zum Beispiel: „Mir ist dasRisiko am Arbeitsplatz zu hoch, also bleibe ich zu Hause und lasse mich krankschreiben.“

Die Gefahr ist, dass man als Unternehmen die erforderlichenHandlungsoptionen verliert, weil die Corona-Angst diese einschränkt. Es muss auch in dieser Zeit gelingen, zwischen Einwänden (begründete Argumente als Basis) und Vorwänden (hier vorgeschobene Corona-Angst) zu differenzieren.

Hier warten die Herausforderungen und mögliche Handlungsfelder für die Führungskräfte aber auch jeden einzelnen Mitarbeitendengenau wahrzunehmen: „Was passiert gerade bei mir und in meinem Umfeld?“.

Mögliche präventive Handlungsfelder/Aktivitäten:

  • Eine feine Wahrnehmung des aktuellen Geschehens - zuhören, hinsehen, präsent sein.
  • Eine offene und ehrliche Reflexion mit sich selbst,untereinander im Team und in der Kommunikation zwischen Führungskräften undMitarbeitenden: thematisieren, nachfragen, hinterfragen, Priorität einräumen,Zeit nehmen.
  • Es sollte im gemeinsamen Dialog gelingen, Vorwände von Einwänden zu trennen und transparent zu machen. Anschließend empfiehlt sich Einwände zu bearbeiten unddie Ursachen für Vorwände zu beheben.

Wenn dieses „Modell des Vorwands zur Vermeidung vonungewünschten Handlungen“ funktioniert, stellt sich die Frage, was in der Zeit nach Corona bewusst oder unbewusst als Vorwand genutzt wird. Dies in Verbindung mit der Entwicklung hin zum Homeoffice, also mit dem potenziellen Risiko von sozialer Distanz, birgt die nicht zu unterschätzende Gefahr, dass wir uns dasZusammenleben und Arbeiten sehr erschweren und ein großes Konfliktpotenzialgeschaffen wird. Der ehrliche offene Umgang miteinander ist in Frage gestellt, die Vertrauenskultur ist bedroht.

Wenn auf der Basis einer Vorwand-Diskussion Maßnahmenabgeleitet werden, bei meinem Beispiel ggf. weitere Investitionen inzusätzliche Corona-Schutzmaßnahmen, wird nicht die eigentliche Ursache behoben- nämlich keine Lust auf die Veranstaltung, mit den dahinter liegenden Gründen- sondern es erfolgt ein „sinnloses“ Handeln zur vermeintlichen Behebung desVorwandes. Die Konsequenz daraus ist, dass keine effizienten und effektivenMaßnahmen eingeleitet werden, und, neben den Ausfallkosten für dieVeranstaltung, weitere unnötige Kosten entstehen.

Daraus resultierend ist die große Herausforderung:

Die Bedrohung durch Corona und auch Ängste durch Folgethemenernst nehmen, Menschen soweit wie möglich schützen, aber auf der anderen Seite aktive Handlungsmöglichkeiten ableiten, um größere zukünftige Schäden zuvermeiden!

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